Die Stadtgründungen im Mittelalter
Karte von Armand Baeriswyl: Die «gegründeten» Städte — Stadtgründungen und -erweiterungen in den Kantonen Bern, Freiburg und Solothurn

Stadtgründungen im Mittelalter

Im schweizerischen Mittelland gab es im Frühmittelalter nur etwa zehn Städte aus römi­scher oder spät­antiker Zeit. Während der europäischen Stadt­grün­dungs­welle, zwi­schen 1150 und 1350, vervielfachte sich die Zahl der Städte auf über 150. In den drei­ Kan­tonen Bern, Freiburg und So­lothurn gab es 1150 eine einzige Stadt, Solothurn, im Jahr 1350 waren es rund 50.

Die meisten der in dieser Zeit gegründeten Städte, die heute noch bestehen, liegen an Ge­wässern: an Seeenden wie Zürich, Luzern, Genf; an Seen wie Neuenburg, Lausanne, Konstanz, Arbon oder an Flussläufen wie Bern, Freiburg, Basel, Schaffhausen, Solothurn, Aarau oder Stein am Rhein.

Bevorzugt wurden vor allem Orte, wo die Handelswaren vom Schiff auf den Landweg umgeladen wurden oder wo die Flussfahrt durch Hindernisse unterbrochen war wie in Schaff­hausen durch den Rheinfall. So kamen nicht nur Fuhrleute zu Einkommen, die Städte konnten Zölle erheben und dank dem Stapel­recht florierte auch der Markt. Die Lage an Seen und Flüs­sen brachte den Städten somit grosse wirt­schaft­liche Standortvorteile.

Eine bekannte Ausnahme ist die Stadt St. Gallen. Ihr Zellkern ist das Kloster mit sei­ner enormen wirtschaftlichen, kulturell­en und politischen Kraft. Eine andere, kaum bekannte Ausnahme ist Neunkirch.

Das hochmittelalterli­che Bevöl­ke­rungs­wachs­tum endete in weiten Teilen Europas im mittleren 14.Jahr­hundert. Rund ein Drittel der Be­völke­rung starb an der Pest. Damit gingen die Stadtgründungswelle und das Wachstum innerhalb der Städte zu Ende. Dieser Einschnitt dürfte sich auch auf die Entwicklung von Neunkirch ausgewirkt haben.