Die Konstruktion der verborgenen Geometrie der Stadt im Gelände

Nicht nur die äussere Form, das Rech­teck, hat der Bischof bewusst gestaltet, auch das Innere hat er nach einem klaren Kanon geor­dnet; in der Stadt regiert eine verborgene Geometrie. Aus Kreis, Quadrat und Pentagramm entwickelt sich ein einzigartiger Stadtgrundriss.

Das Video (7:25 min) zeigt die Vermessung der Stadt im Gelände. Als erstes bestimmt der Baumeister das Zentrum, dann richtet er die Stadt auf den Sonnenaufgang zu Ostern des Jahres 1263 aus, mit dem Urkreis legt er die Grösse der Stadt fest und damit auch die Längen und Breiten der Häuserzeilen und Gassen.

Die verborgene Stadtgeometrie über dem digitalen Grundbuchplan des Amts für Geoinformation des Kantons Schaffhausen.

Die heutigen Bauten im ehemaligen Zwinghof liegen ausserhalb des Gründungsplans.

Die verborgene Stadtgeometrie über dem digitalen Grundbuchplan des Amts für Geoinformation des Kantons Schaffhausen.

Die Geometrie über einem Grundbuchplan, der vermutlich zu Beginn des 20.Jahrhunderts mit der Einführung des Zivilgesetzbuches gezeichnet wurde.

Die Geometrie über einem Grundbuchplan um 1920

Heute stimmen noch über drei Viertel der Grundstückgrenzen mit der ursprünglichen Stadtgeometrie überein.

Der digitale Grundbuchplan des Amts für Geoinformation des Kantons Schaffhausen liefert die Grundlage, um die Übereinstimmung von Geometrie und Realität zu überprüfen.

Übereinstimmung der Stadtgeometrie mit Grundbuchplan Schafhausen

54 Prozent der Hausfassaden stimmen heute noch genau mit der Stadtgeometrie überein. Bei 14 weiteren Prozent besteht eine nahe Übereinstimmung. Die Grenzen der Mistlegen und der Traufgänge liegen zu weiteren 10 Prozent auf den Markierungen des Gründungsplans. 

Insgesamt stimmen 78 Prozent der heutigen Bauten und Grenzen mit dem Gründungsplan überein.

Nach 760 Jahren Stadtgeschichte gibt es auch Stellen, wo die heutigen Grundstücksgrenzen nicht mehr identisch sind mit dem Urbild.

Teilweise können wir vermuten, weshalb. So etwa bei Bauten, die Brandlücken füllen, wie dem Rietmannschen Doppelhaus (erbaut 1763). Das Gemeindehaus wiederum wurde 1568 präzis in den Gründungsplan und genau in die Mitte der Stadt gebaut. Auch das alte Schulhaus passt genau. Das Gebäude Vordergasse 46 jedoch wurde bereits sehr früh, 1472, aus der Fassadenflucht zurückgestellt. 

Am westlichen Ende der Vordergasse ist die südliche Häuserzeile als einzige in der Stadt leicht aus der üblichen Fassadenflucht abgedreht worden.

Zur Klärung dieser Abweichung wären weitere Untersuchungen, vor allem archäologische, erforderlich.