Das Castel del Monte in Apulien, die «Krone Apuliens»
Die Lage der Stadt Neunkirch und ihre Orientierung zum Sonnenaufgang weisen uns den Tag, an dem ihre Ausrichtung erstmals im Gelände festgelegt worden ist. Doch nicht nur mit der Orientierung der Stadt nach der aufgehenden Sonne auch mit der Stadtgestalt, dem klaren Rechteck, zeigt der Gründer seinen Zeitgenossen und nun auch uns, wie er seine Stadt in die gottgegebene kosmische Ordnung einfügen will. Er schafft – getreu der mittelalterlichen Vorstellung – mit einer vollkommenen, geometrischen Form ein Abbild des Universums und eine Vorahnung auf das Himmlische Jerusalem.
Damit ist er nicht allein, denn wenige Jahrzehnten vor der Gründung Neunkirchs entstehen in Italien Kastelle, die mit der gleichen Formensprache Vollkommenheit in der reinen geometrischen Gestalt suchen.
Friedrich II., Kaiser des römisch-deutschen Reiches, will die beiden staufischen Reichsteile nördlich und südlich der Alpen wieder vereinen und baut zur Stärkung seiner Herrschaft in Italien mehrere befestigte Kastelle. Mit einer Ausnahme zeigen sie quadratische Grundrisse.
Es ist durchaus möglich, dass Friedrich II. und Bischof Eberhard II. von Konstanz sich kennen. Eberhards Vater war Reichstruchsess am Hofe Friedrichs. Beide tragen Konflikte aus mit dem Papst, beide werden exkommuniziert. Der Bischof ergreift Partei für den Staufer und übernimmt nach dem Tod Friedrichs eine der Vormundschaften von Konradin, dem Enkel Friedrichs und unterstützt ihn bei seinem Feldzug nach Süditalien, bis Konradin im Oktober 1268 sechszehnjährig von Karl I. von Anjou in Neapel enthauptet wird.
Auch reist der Bischof im Winter 1253/54 und im Sommer 1258 nach Rom, er könnte dabei eines der Kastelle Friedrichs besucht haben.
Beiden gemeinsam ist jedenfalls das Ideal der absoluten, geschlossenen, geometrisch reinen Form, die keine Veränderung duldet und keine Erweiterung mehr zulässt. Friedrich II. realisiert diese Idee in seinen Kastellen, der Bischof von Konstanz in seiner Planstadt Neunkirch.
In seinem letzten Lebensjahrzehnt zwischen 1240 und 1250 baute Kaiser Friedrich II. das Castel del Monte bei Andria in Apulien. An seiner Planung soll er selbst mitgewirkt haben.
Das Kastell wird als «Krone Apuliens» bezeichnet und steht als Metapher für das «Goldene Zeitalter» unter Friedrich II. Es hat die Form eines Achtecks. Die Acht steht für die Auferstehung Jesu, das Oktogon für Vollkommenheit.
Castel Svevo d’Augusta, Ostküste von Sizilien
Das Kastell wurde im Auftrag von Kaiser Friedrich II. 1232 auf den Fundamenten einer älteren Befestigung in Form eines römischen Castrums erbaut. Die Bauleitung hatte der Praepositus Aedificiorum Riccardo da Lentini
Castel dell’Imperatore, Prato bei Florenz
Zwischen 1237 und 1247 ebenfalls durch Riccardo da Lentini im Auftrag Kaiser Friedrichs II. erbaut. Das Kastell steht auf einem künstlichen Hügel, der bereits Standort einer älteren Burg des Grafen Alberti di Prato gewesen war.