Die Stadt

Auf der Landeskarte entdeckt man unschwer das Rechteck, das der Bischof von Konstanz vor 760 Jahren auf seinen Boden gelegt hat

Neunkirch, eine Stadt mit Mauer aber ohne Markt

Verkauft an die Stadt Schaffhausen

Der Neunkircher Kongress

Die Mauer ist weg, die Entwicklung beginnt,

das Rechteck bleibt

Pfeil

Als Graf Eberhard II. von Waldburg, Bischof von Konstanz im Jahr 1260 von den Herren von Krenkingen für insgesamt 350 Mark Silber die Herrschaftsrechte erwarb, bestand „Niuchilchun“ aus wenigen Gebäuden rund um die Bergkirche.

Diese Siedlung gab er auf und gründete etwas nördlich davon in der Ebene eine neue Stadt. Vermutlich wollte er damit ein Zentrum schaffen, wo sein Vogt die neuen Herrschaftsrechte verwalten konnte.

Die Offnung von 1330 hielt die Rechte und Pflichten der Bürger, der «cives» fest. Neunkirch war eine Stadt mit einem Spital und einem Siechenhaus; belegt sind auch Lehrer, Schulpfründe und Leutpriester.

Markt und Mauer waren die beiden wichtigsten Elemente, die eine Stadt als eigenen Rechtsraum vom umgebenden Land unterschieden. Neunkirch hatte wohl eine Mauer, aber kein Marktrecht. Die Stadt Schaffhausen zwang die Einwohner, ihren Wochenmarkt zu benutzen. Erst 1795 wurden zwei eintägige Jahrmärkte in Neunkirch bewilligt.

Während des Schwabenkriegs 1499 besetzten und brandschatzten die Eidgenossen das Städtchen.

1525 verkaufte Bischof Hugo von Landenberg aus Geldnöten Neunkirch und Hallau für 8'500 Gulden an die Stadt Schaffhausen. Bis 1798 war Neunkirch eine Schaffhauser Obervogtei.

Nach der Französischen Revolution lehnte sich auch die Schaffhauser Landbevölkerung gegen die Obrigkeit auf. Am Neujahrstag 1798 hob der Rat in Schaffhausen die Leibeigenschaft auf. Damit war der Bann gebrochen: anfangs Februar, auf dem «Kongress zu Neunkirch» nötigten 22 Gemeinden den Schaffhauser Rat, Freiheit und Gleichheit von Stadt und Land zu proklamieren. Darauf verliess der letzte Landvogt Neunkirch.

Nachdem sich die Machtverhältnisse geändert hatten, beschloss der Rat 1811, die Stadtmauern zu schleifen und die Gräben aufzufüllen. Bis zur Ausführung dauerte es dann aber noch etliche Jahre.

Im Jahr 1530 lebten 460 Einwohner in 92 Häusern, 1798 waren es 1'087 Einwohner in 140 Häusern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl, 1850 hatte das Städtli mit 1’640 die grösste Einwohnerzahl. Doch die Wirtschaftskrise von 1848 zwang viele Einwohner auszuwandern. 1852 emigrierten 46 Personen nach Amerika. Um 1900 lebten 1’206 Einwohner im Städtli, heute noch etwa 400.

Ab 1840 gab es einen täglichen Postverkehr nach Schaffhausen, 1844 wurde eine unterirdische Wasserleitung gebaut, 1860-63 entstand die Eisenbahnlinie Waldshut-Konstanz der grossherzoglich-badischen Eisenbahn sowie das Telegrafenbüro, 1909 kam die Elektrizität.

Erst in den 1950er Jahren begann Neunkirch sich über den mittelalterlichen Stadtkern hinaus zu entwickeln. Fabriken siedelten sich an und Einfamilienhausquartiere entstanden. 1996 wurde ein neues Einkaufszentrum und die neue Gemeindeverwaltung beim Bahnhof eröffnet.

Nachdem 2013 die Eisenbahnlinie und die Strasse nach Schaffhausen ausgebaut worden sind, begann in der Gemeinde eine gehetzte bauliche Entwicklung. Das Rechteck des Bischofs wird auch diese Ära überleben.

Die Vordergasse

Das Rechteck des Grafen Eberhard II. von Waldburg, Bischof von Konstanz, Karte: Amt für Geoinformation des Kantons Schaffhausen

Die Herrengasse

Die Herrengasse

Der Adventsmarkt in der Vordergasse

Das Rechteck der Planstadt Neunkirch auf der Karte des Klettgaus
Historischer Grundbuchplan der Planstadt Neunkirch mit Dunglege und Traufgang

Grundbuchplan ca.1920

1700 J.H.Peyer

Karte der Planstadt Neunkirch von J.H.Peyer 1700

1868 V. Stebler

Karte der Planstadt Neunkirch von V. Stebler 1869

Neunkirch war eine Bauern- und Handwerkerstadt. Den Mist aus den Stallungen legten die Bauern auf die Mistlegen in den Gassen. Diese Dunglegen sind rechtlich eine Allmend, eine Gütergemeinschaft. Jedem Gebäude ist ein Teil der Dunglege zur Nutzung, aber nicht zu Eigentum zugewiesen. Nutzungsänderungen sind nur möglich, wenn alle Beteiligten zustimmen. Heute dienen die Dunglegen als Kleingarten und Sitzplatz, viele allerdings als Parkplatz.

Zwischen Gebäude und Dunglegen liegt ein begehbarer Streifen, der Traufgang. Er ist, wie die Gasse, öffentlicher Grund. Seine Funktion ist nicht dokumentiert. Möglicherweise diente er bei der Brandbekämpfung oder als geschützter Fussweg. Eine derartige Verzahnung von öffentlichem, halböffentlichen und privatem Boden ist einzigartig.

Seit seiner Gründung ist die Stadt ein Rechteck von 257 Meter Länge und 139 Meter Breite. Zwischen den Häusern und der Stadtmauer lag der Zwinghof;  ausserhalb zog sich ein Graben um die Stadt, der auf der Südseite Wasser führte.

Die Hauptgasse wurde im Osten durch den Obertorturm, im Westen durch den Untertorturm abgeschlossen. Der Untertorturm brannte 1825 ab und wurde geschleift; im Obertorturm sind noch Inschriften von Wein- und Kornpreisen zu sehen. Genau in der Mitte der Stadt liegt das 1568 erbaute spätgotische Gemeindehaus.

Der bischöfliche Dinghof wird 1330 bezeugt und liegt in der Nordostecke, am höchsten Punkt des Städtchens. Um 1436 erfolgte der Ausbau zum Schloss, heute Oberhof genannt. 

Die Bergkirche liegt ausserhalb auf einer Anhöhe und wurde im 12. Jahrhundert auf dem karolingischen Vorgängerbau erbaut. 1155 wird sie urkundlich erwähnt. Die Glocke stammt von 1299. Die Stadtkirche St. Johann ist eine Filialkirche und wird vorwiegend im Winterhalbjahr genutzt.

Dachlandschaft von Neunkirch

Die Neunkircher Dachlandschaft

Der Oberhof, das Schloss in Neunkirch

Der Oberhof

Die Bergkirche von Neunkirch

Die Bergkirche

Das Gemeindehaus in Neunkirch

Das spätgotische Gemeindehaus

Die Mühlengasse in Neunkirch

Die Mühlengasse

Die Hintrgasse in Neunkirch

Die Hintergasse

Türen und Tore in Neunkirch
Neunkirch 1950

Neunkirch 1950

Der Bischof