Die Forschung geht mehrheitlich davon aus, dass es bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts keine Architekturpläne im heutigen Sinn gab. Berichtet wird von Skizzen, von Urbildern des Meisters, nach denen die Umsetzung in die Wirklichkeit erfolgte. Thomas von Aquin erklärt das Urbild 1265 so: «Der Erbauer nämlich erschafft durch die Form des Hauses, die er im Geiste hat, das Haus, das in der Materie ist».
Zwischen dem Urbild und der Ausführung des Werks ist kein grafisches oder dreidimensionales Medium nötig. Skizzen und Zeichnungen wie im Musterbuch des Villard de Honnecourt sind nicht notwendigerweise massstäblich und dienen mehr der Erinnerung und bei Besprechungen.
Der Bau selbst verlief dann weitgehend ohne vorher festgelegten Bauplan, empirisch wurden die Probleme während der Bauausführung gelöst; die architektonische Idee nahm erst im emporwachsenden Bau ihre konkrete Form an. Erhalten sind einzelne, mit Richtscheit und Zirkel konstruierte Ritzzeichnungen, die während der Bauausführung direkt auf den Boden gezeichnet worden sind und einen Bauteil in seiner wirklichen Grösse zeigten.
Mit dem Bau der Kathedrale in Amiens (Grundsteinlegung 1220) beginnt erstmals eine serielle Fertigung der Steine. Schon in den Jahren davor haben die Baumeister begonnen, die Bauhütten zu beheizbaren Arbeitsräumen auszubauen, in denen die Steinmetzen auch im Winter arbeiten können. Steine werden nun im Voraus und in Serie hergestellt, um sie während der warmen Jahreszeit rascher versetzen zu können. Je mehr sie vorfabrizieren, desto rationeller müssen sie planen. Mit der neuen Arbeitsweise entstehen Steinmetzarbeiten von künstlerisch anspruchsvollerer Qualität, zugleich steigt die Effizienz, und die Arbeitsteilung nimmt zu. Die neue Technik verlangt vom Architekten neue Fähigkeiten: Er muss nun planen, vorausschauen, organisieren, führen und neue Hilfsmittel einsetzen, insbesondere den bisher unbekannten, massstäblich verkleinerten Plan.
So entstehen ab etwa 1250, in der Zeit als Neunkirch gegründet wird, die ersten massstabgetreuen Architekturzeichnungen. Mit den Rissen zur Westfassade des Strassburger Münsters und dem Kölner Turmgrundriss sind besonders eindrückliche Beispiel erhalten geblieben.
Der Baumeister von Neunkirch könnte also durchaus mit der neuen Technik vertraut gewesen sein, einen Stadtgrundriss konstruiert und diesen dann in das Gelände übertragen haben. Leider ist ein solcher Stadtplan nicht überliefert.
Westfassade des Strassburger Münsters, Plan von Erwin von Steinbach, 1277, eine der ersten massstabgetreuen Architekturzeichnungen