Das Heilige Grab in der Mauritius-Rotunde; zwischen den Zinnen der Dachbrüstung, die in Form von Wimpergen gestaltet und mit Dreipässen durchbrochen sind, stehen die zwölf Apostel
Plan der Mauritius-Rotunde beim Münster zu Konstanz
Beim Münster in Konstanz steht ein kleines Bauwerk, das die Jerusalemer Grabeskirche – zu jener Zeit das wichtigste religiöse Zentrum des Christentums – in kleinerem Massstab nachbildet. Über Jahrhunderte war es Ziel von Pilgerreisen. Zahlreiche Pilger umrundeten das Heilige Grab im Inneren dreimal – vor allem Gläubige aus der Umgebung, die sich die weite Reise ins Heilige Land nicht leisten konnten. Noch heute ist die Kapelle eine Station auf dem Jakobsweg. Im Mittelalter wurde sie zudem in der Karwoche für die Aufführung von Osterspielen genutzt. Bischof Konrad von Konstanz (Amtszeit 934 – 975) liess die Mauritius-Rotunde um 940 errichten.
In der Mitte der Mauritius-Rotunde steht das Heilige Grab; das zwölfeckige Häuschen aus Sandstein repräsentiert die Grabstelle Christi. Es wird auf 1260 datiert und weist bemerkenswerte Skulpturen auf, die ursprünglich farbig bemalt waren. Die Steinmetzarbeiten sind im Stil der französischen Gotik gehalten und werden mit Vorbildern aus der Bauhütte von Chartres in Verbindung gebracht.
Das Heilige Grab in Konstanz wird also zur gleichen Zeit und vom gleichen Bischof gebaut, der auch die Stadt Neunkirch gründet. Es ist gleichsam die «Schwester» der Stadt Neunkirch.
Wir dürfen annehmen, Graf Eberhard II. habe Baumeister und Steinmetzen aus einer französischen Bauhütte nach Konstanz geholt.
Und wir dürfen weiter annehmen, der Konstanzer Bischof habe die Bauleute aus Frankreich nicht nur mit dem Bau des Heiligen Grabs, sondern auch mit der Planung seiner neuen Stadt im Klettgau beauftragt.
Das Heilige Grab in Konstanz ist die Schwester der Stadt Neunkirch